Ein Foto zeigt ein Gebäude, einen Baum oder einen Pfosten mit einem markanten Schattenwurf, aber der Aufnahmeort ist völlig unbekannt. In der Open-Source-Intelligence-Recherche (OSINT) sowie bei der Verifikation von Bildmaterial spielen Schatten eine entscheidende Rolle. Der Sonnenstand verrät nämlich zu jeder Zeit, wo auf der Erde eine bestimmte Schattenlänge und Schattenrichtung überhaupt möglich sind.
Genau dafür gibt es auf gwerdi.ch ein spezialisiertes Werkzeug im Browser: den OSINT Shadow Finder & Verifier. Das Tool berechnet anhand physikalischer Daten globale Schnittmengen und grenzt Aufnahmeorte auf der Weltkarte präzise ein.
Wie die Ortung über Schatten funktioniert
Jeder Schatten liefert zwei physikalische Messwerte, wenn das Aufnahmedatum und die Uhrzeit bekannt sind:
Schattenlänge im Verhältnis zur Objekthöhe: Aus dem Verhältnis zwischen der Höhe eines Objekts und der Länge seines Schattens ergibt sich der genaue Höhenwinkel der Sonne.
Schatten-Azimut: Das ist die Himmelsrichtung, in welche der Schatten fällt, gemessen in Grad ab Norden im Uhrzeigersinn.
Da die Sonne zu einer bestimmten Minute weltweit nur an ganz bestimmten Orten in einem bestimmten Winkel steht, schrumpft der Kreis möglicher Standorte drastisch zusammen.
Messwerte und Zeitdaten erfassen
Die linke Menüleiste der Anwendung führt schrittweise durch die Dateneingabe, sodass man ohne Vorkenntnisse sofort starten kann.
Höhen und Längen eingeben
Im ersten Schritt trägt man entweder die gemessene Objekthöhe sowie die Schattenlänge ein, wobei die Masseinheit keine Rolle spielt. Alternativ lässt sich direkt der bekannte Sonnenhöhenwinkel in Grad eingeben, falls dieser bereits aus Voranalysen vorliegt.
Zusätzlich bietet die Maske ein optionales Feld für den Schatten-Azimut. Wenn man diesen Winkel kennt, schränkt das Tool das Ergebnis noch einmal deutlich ein.
Datum und Uhrzeit festlegen
Im zweiten Bereich wählt man das Datum und die exakte Uhrzeit des Bildes. Neben der lokalen Zeit unterstützt das Tool auch verschiedene Zeitzonen.
Über einen handlichen Schieberegler lässt sich die Uhrzeit zudem interaktiv vor- und zurückdrehen. Dadurch sieht man auf der Karte sofort, wie die Schattendaten im Tagesverlauf über den Globus wandern.
Die Analyse auf der Weltkarte
Nach einem Klick auf die globale Suche berechnet das Skript alle passenden Regionen und blendet diese als visuelle Markierungen auf der Weltkarte ein.
Suchergebnisse interpretieren
Die Karte visualisiert die Treffer über zwei unterschiedliche Markierungsfarben:
Blaue Punkte: Diese Zonen markieren alle Orte weltweit, an denen die Schattenlänge exakt zum Sonnenwinkel passt. Oft formen diese Punkte ein breites Band oder ein Oval über Kontinente und Ozeane hinweg.
Rote Punkte: Sobald auch der Azimut (die Schattenrichtung) eingetragen ist, färben sich nur noch diejenigen Bereiche rot, an denen beide Werte gleichzeitig zutreffen. Häufig bleibt dadurch nur ein eng begrenzter Landstrich übrig.
Den OSINT-Verifizierungs-Pin nutzen
Für eine detaillierte Gegenprobe lässt sich per Rechtsklick oder über die Schaltfläche ein Verifizierungs-Pin auf der Karte platzieren.
Dieser Pin blendet bunte Peillinien ein, die in Richtung der aktuellen Sonne, des Schattens sowie des Sonnenauf- und Untergangs zeigen. So lässt sich ein vermuteter Aufnahmeort auf Satellitenbildern direkt mit Strassenzügen oder Gebäudekanten abgleichen.
Das OSINT-Daten-Dashboard
Ein Klick auf den gesetzten Pin öffnet ein Infofenster mit nützlichen Details:
- Exakte Koordinaten sowie berechnete Schattenlänge bezogen auf ein Standardobjekt
- Genaue Sonnenhöhe und Schatten-Azimut für diesen Punkt
- Tagesverlauf mit ziviler Dämmerung, Sonnenaufgang, Höchststand und Sonnenuntergang
- Monddaten für Nacht-Recherchen inklusive Beleuchtungsgrad in Prozent
- Direkte Links zu Google Maps und Street View für den visuellen Abgleich vor Ort
Typischer Ablauf einer Schatten-Analyse
Wer ein verdächtiges Foto oder Video prüfen möchte, geht meist in dieser Reihenfolge vor:
- Ein senkrechtes Objekt und dessen Schatten im Bild suchen und ausmessen.
- Datum und Uhrzeit der Aufnahme aus den Bildmetadaten oder dem Kontext ermitteln.
- Die Werte in das Formular eintragen und die globale Suche starten.
- Das Band der passenden Schattenlänge prüfen und durch den Schatten-Azimut weiter einschränken.
- Den Verifizierungs-Pin auf interessante Punkte setzen, um Peillinien und Tagesverlauf im Detail abzugleichen.
Fazit
Der OSINT Shadow Finder & Verifier verbindet mathematische Sonnenstands-Berechnungen mit einer einfachen Kartenansicht. Dadurch lassen sich Aufnahmeorte rund um den Globus rasch eingrenzen und Schattendaten ohne aufwendige manuelle Rechnungen fundiert überprüfen.
Das Tool steht direkt online bereit:
https://www.gwerdi.ch/shadow/














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