Ein Schnappschuss im Netz wirft oft mehr Rätsel auf als Antworten: An welcher Ecke stand die Person mit der Kamera, welcher Berggipfel ragt im Hintergrund auf und passte der Schattenwurf wirklich zur angegebenen Mittagszeit? Wer im OSINT-Bereich oder im journalistischen Faktencheck nachforscht, verliert sich dabei schnell zwischen Bildbearbeitungsprogrammen, Tabellen und separaten Kartenanwendungen.

Der Geolocation Workspace auf gwerdi.ch fasst genau diese Arbeitsschritte auf einem einzigen Bildschirm zusammen. Das webbasierte Werkzeug kombiniert flexible Bildfilter und Markierungen direkt mit Sonnenstandsberechnungen sowie Satellitenkarten.

Bildbearbeitung und Markierungen direkt im Fenster

Häufig versteckt sich der entscheidende Hinweis in einer dunklen Ecke oder an einer unscheinbaren Fassade. Aus diesem Grund bildet ein vielseitiger Bildbetrachter das Herzstück der oberen Bildschirmhälfte.

Feine Bilddetails sichtbar machen

Gleich nach dem Hochladen einer Bilddatei lässt sich die Darstellung über feine Schieberegler nachjustieren. Mehr Kontrast, angepasste Helligkeit oder eine höhere Sättigung holen oft überraschende Konturen aus trüben Aufnahmen hervor. Wenn verwitterte Schilder oder schwache Gravuren an Hauswänden lesbar werden sollen, hilft zudem die praktische Invertierungs-Funktion. Auch schief geschossene oder verdrehte Fotos bringen niemanden aus der Ruhe, da sie sich mit einem Klick um 90 Grad in die richtige Lage drehen lassen.

Wichtige Stellen direkt im Foto markieren

Damit Auffälligkeiten während der Analyse nicht wieder aus dem Blick geraten, bringt die obere Werkzeugleiste flexible Zeichenhilfen mit. Mit Freihandlinien und Geraden lassen sich Strommasten, Geländekanten oder Fluchtlinien sauber nachzeichnen. Für einzelne Fixpunkte wie Dachantennen, Schornsteine oder Fensterfronten stehen Pfeile und Fadenkreuze bereit. Ergänzend dazu lassen sich Pins und kurze Notizen direkt auf die entscheidenden Stellen setzen. Sobald alle Details markiert sind, sichert ein Klick auf den Speicher-Button das Bild mitsamt allen Zeichnungen auf dem Rechner.

Orientierung mit Geodaten, Schatten und Blickwinkeln

Unterhalb des Bildes wartet eine vollwertige Kartenansicht, wodurch sich optische Eindrücke aus dem Foto unmittelbar mit realen Geodaten abgleichen lassen.

Metadaten prüfen und Zeiten umrechnen

Sobald ein Foto im Workspace landet, liest das Skript eventuell vorhandene EXIF-Daten automatisch aus. Wenn ein Zeitstempel auftaucht, hilft der integrierte Zeit-Umrechner bei der Einordnung. Er gleicht koordinierte Weltzeit (Zulu/UTC) und lokale Ortszeit verlässlich ab, sodass bei internationalen Recherchen keine Zeitzonen-Pannen passieren.

Sonnenstand und Schattenwurf abgleichen

Über Datum und Uhrzeit errechnet das System den genauen Sonnenstand für den jeweiligen Ort. Ein Klick projiziert daraufhin eine gelbe Sonnenlinie direkt auf die Satellitenkarte. So sieht man sofort, in welche Richtung Schatten zu diesem Zeitpunkt fallen mussten, und kann diesen Winkel direkt mit dem Referenzbild vergleichen.

Kamerasichtfeld mit zwei Klicks projizieren

Um herauszufinden, ob ein bestimmtes Gebäude oder eine Bergkette überhaupt im Blickwinkel der Kamera lag, berechnet das Tool einen Sichtkegel:

  • Zuerst trägt man den geschätzten Bildwinkel in Grad sowie die gewünschte Sichtdistanz in Kilometern ein.
  • Danach genügen zwei Klicks auf der Karte, um die Kameraposition und die Blickrichtung festzulegen.
  • Die Karte spannt sofort einen farbigen Sichtfächer auf, wodurch auf einen Blick klar wird, welche Geländemerkmale zwingend im Bildausschnitt auftauchen müssen.

Dokumentation und Kartendaten exportieren

Eine gründliche Recherche steht und fällt mit einer sauberen Dokumentation, damit Kollegen oder Leser jeden Schritt nachvollziehen können.

Notizen laufend mitschreiben

Im linken Seitenmenü steht ein offenes Notizfeld für Zwischenstände, Links und Beobachtungen bereit. Damit während einer längeren Sitzung nichts verloren geht, lässt sich der gesamte Text jederzeit als kompakte Textdatei (.txt) herunterladen.

Daten für Google Earth und GIS sichern

Alle Markierungen, Linien und Flächen, die auf der Satellitenkarte entstehen, lassen sich nicht nur im Browser betrachten. Über den Export-Knopf wandern sämtliche Geodaten mit einem Klick in eine standardisierte GeoJSON-Datei, die sich nahtlos in professionelle Werkzeuge wie Google Earth oder QGIS importieren lässt.

OSINT Geolocation Workspace
OSINT Geolocation Workspace
OSINT Geolocation Workspace
OSINT Geolocation Workspace

So läuft eine Bildprüfung in der Praxis ab

Statt stur zwischen mehreren Programmen hin und her zu springen, greifen die Schritte im Workspace ganz natürlich ineinander:

Zuerst wandert das Bild in die Ansicht, während der Metadaten-Prüfer im Hintergrund nach Spuren sucht. Anschliessend sorgen Bildfilter und Zeichenstifte dafür, dass markante Bezugspunkte wie Strommasten oder Hauskanten klar hervortreten. Sobald Datum und vermutete Region feststehen, schaltet man die Sonnenlinie auf der Karte ein und gleicht den Schattenwurf ab. Schliesslich platziert man den Kamerastandort auf der Karte, zieht den Sichtkegel auf und exportiert alle gesammelten Notizen samt GeoJSON-Daten für den fertigen Bericht.

Fazit

Der Geolocation Workspace macht Schluss mit dem mühsamen Jonglieren unzähliger Browser-Tabs. Weil Bildbearbeitung, Sonnenstandsanalyse und Satellitenkarten Hand in Hand arbeiten, spart man bei der Verifikation von Bildmaterial spürbar Zeit und behält stets den Überblick über die Fakten.

Die Anwendung lässt sich direkt online ausprobieren:
https://www.gwerdi.ch/osint/